Führen mit Herz und Hirn

24. Dezember 2021

Warum eigentlich mit Herz? Was machen Menschen in Führungspositionen die überzeugt sind, Emotionen und Gefühle haben im Job nichts verloren? Nun, dieser Gruppe mache ich jetzt ein kleines Weihnachtsgeschenk: Hören Sie auf sich einzureden, dass das möglich ist und entspannen Sie sich.

Emotionen wie Freude, Wut, Angst, Ekel, Traurigkeit und Überraschung kommen aus dem ältesten Teil des Gehirns. Sie sind schnell, intensiv und nicht steuerbar. Ein ungeplanter Umsatzanstieg, ein Kollege, der nach Schweiß riecht oder eine abgesagte Beförderung, das alles sind Situationen die Emotionen – und entsprechende Reaktionen – auslösen. Wie man darauf reagiert hängt von den Prozessen in der Hirnrinde ab.

Dort werden Gefühle „gemacht“. In diesem Teil des Gehirns werden die Emotionen bewertet, reflektiert und eingeordnet. Manchmal dauert dieser Prozess länger, manchmal geht es schneller. Zusammengefasst, unseren Emotionen kommen wir nicht aus, aber unsere Gefühle sind Ergebnisse eines – zum Teil bewussten – Verarbeitungsprozesses.

Um diesen Prozess zu erkennen, zu verstehen und in weiterer Folge zu beeinflussen, braucht es eine spezifische Form der Intelligenz, emotionale Intelligenz. Et voila! Hier ist die Verbindung zwischen Herz und Hirn. Wir wissen seit den 1920er Jahren, dass es verschiedene Formen von Intelligenz gibt. (Es spricht allerdings nicht für unsere Intelligenz, dass nicht nur unser Bildungssystem auf kognitive Intelligenz abstellt. Aber das ist eine andere Geschichte.) Intelligenz ist also vielfältig: sprachlich, räumlich, musikalisch, kinästhetisch-körperlich, logisch-mathematisch, sozial, emotional … Intelligenz ist aber auch dynamisch. Sie verändert sich im Laufe der Zeit, abhängig davon wie oft und intensiv wir unser Gehirn benutzen.

Die Kombination der unterschiedlichen Intelligenzen macht – unter anderem – die Individualität eines Menschen aus. Sie macht aber auch die Qualität einer Führungskraft aus. Je besser Führungskräfte ihre unterschiedlichen Hirnareale aktivieren können, desto besser kennen sie sich selbst und andere und desto besser können sie Situationen beeinflussen. An dieser Stelle empfehle ich einen Oldie but Goldie: Daniel Goleman et al. „Emotional Intelligence“ aus dem Jahr 1995. Mittlerweile gibt es das Buch in aktualisierten Auflagen und in deutscher Sprache.

Mit Herz und Hirn führen bedeutet also, die Komplexität von Menschen und Situationen zu erfassen und die situativ passenden Entscheidungen zu treffen. Eine Entscheidung die schon lange überfällig ist, beruht auf der Erkenntnis, dass die alten Mechanismen und Entscheidungslogiken der Wirtschaft gar keinen Sinn machen und vor allem nicht mehr einhellig akzeptiert werden. Schneller Gewinn geht meist auf Kosten unseres Planeten, auf Kosten von Menschen – die idealerweise weit weg leben. Immer weniger akzeptieren das, unsere Kinder sind in dieser schnell wachsenden Gruppe.

Was wäre alles möglich, wenn in Politik und Wirtschaft mehr Menschen mit Herz UND Hirn tätig wären: gesundes Klima statt kurzfristiger Rendite, soziales Agieren statt narzisstischer Machtausübung, achtsame Sprache statt brutaler Chats ….

Es ist Weihnachten, man darf sich ja etwas wünschen. In diesem Sinne wünsche ich eine angenehme Zeit.

 

 

 

 

 

 

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