Durch den Lockdown doodeln

27. November 2021

Der vierte Lockdown also. Wieder mehr Leute im Homeoffice, Schulen bleiben offen – aber nur irgendwie, aus Südafrika nähert sich eine hoch infektiöse Mutation, der Stresslevel steigt. Die Stimmung im Land ist nicht gut. Sogar die chronisch fröhliche Gemüsefrau am Markt lächelt nur noch müde.

Und ich? Ich wollte eigentlich einen klugen Text schreiben, über Kommunikation in virtuellen Welten. Darüber, was Führungskräfte beachten sollten. Wie man Konflikte rechtzeitig erkennt, selbst wenn Mikrofon und Kamera bewusst ausgeschaltet werden. Ich saß also da, ließ konzentriert und doch entspannt meine Gedanken laufen. Während ich über den Text nachdachte, mäandrierte mein Stift übers Papier. Nein, das nennt man nicht „gedankenlos herum kritzeln“, das ist doodeln. Ist zwar dasselbe, klingt nur sehr viel cooler.

Ich mache das häufig beim Telefonieren, wenn es niemand sehen kann, manchmal auch in Konferenzen. Meist zeichne ich die Wege meiner Gedanken, wie sie von einem Thema zum anderen und wieder zurück hüpfen. Oder ich konzentriere mich auf die Botschaften des Gesagten und zeichne die inhaltlichen Verbindungen. Manchmal finde ich keine, manchmal entstehen komplizierte Arabesken, die miteinander zusammen hängen. Es hilft mir beim Weiterdenken.

Bei visuellen Menschen funktioniert die Speicherung im Gehirn besser, wenn es zum Wort ein Bild gibt. Das ist bei mir zweifellos so. Außerdem kann ich mich beim Herumdoodeln besser auf die Zwischentöne konzentrieren. Denn so hilfreich Videocalls und Zoom-Meetings sind, so schwer tu ich mir manchmal, das Gesicht eines Menschen am Bildschirm zu lesen. Wenn also mein Gedoodle viele Unterbrechungen hat, nicht harmonisch ist und schlampig ausschaut, dann hat’s meistens etwas mit der Kommunikationsqualität.

In Telefonkonferenzen, Videocalls und Zoommeetings ertappe ich mich manchmal dabei, wie ich mich aus der Kommunikation ausklinke. Die Ausrede dafür ist, dass ich mich für multi-tasking-fähig halte. Es stimmt nur nicht. Wenn man nebenbei eine kurze Mail schreibt, etwas googelt oder die push-news liest, ist man nicht ganz bei der Sache. Also ich nicht. Hingegen, wenn ich vor mich hin zeichne, bin ich tatsächlich hoch konzentriert. Es entspannt mich gleichzeitig auf eine Weise, die ich allerdings nicht erklären kann.

Seit Pandemiebeginn habe ich mehrere Blöcke voll gezeichnet – ein sichtbares Zeichen, dass ich offensichtlich eine Strategie gefunden habe, auch virtuell konstruktiv zu arbeiten und zu kommunizieren. Also, an alle visuellen Menschen, doodeln Sie sich durch den Lockdown. Es entspannt – irgendwie.

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